Masters (Mi, 23. Sep 2009)
Ein ganz persönlicher Bericht
XII.European Masters Championship 2009 in Cadiz
Die SchwimmerInnen des SV Poseidon machten sich nach Südspanien auf, in die älteste Stadt Europas, um sich mit anderen Schwimmern aus ganz Europa zu messen.
Am 11. September brachen Bruno (Günter Liedtke - für Nicht-Eingeweihte) und ich, mit Anna, der Enkelin von Bruno als Dolmetscherin, in Richtung Cadiz zu den XII European Masters Championships auf. Für mich waren es die ersten Europameisterschaften überhaupt. Daher war die Anspannung recht hoch. Darüber hinaus hatte ich mir natürlich Ziele gesetzt - sind die eigenen Erwartungen nicht eventuell doch zu hoch angesetzt?. Aber Zweifel darf man nicht aufkommen lassen, sonst blockiert man. Also - mindestens bei allen Starts unter die ersten acht - bis zu diesem Platz gab es jeweils Urkunden- bei den 100 m Freistil war laut Meldeergebnis das Erreichen des "Treppchens" zumindest möglich.
Bruno hatte über seine Tochter eine wunderbare Wohnung in der Altstadt von Cadiz angemietet, die von ihrer Lage her uns alle Möglichkeiten und Annehmlichkeiten bot. Es waren 1 Gehminute bis zur Kathedrale (die Sehenswürdigkeit in Cadiz), 2 Gehminuten bis zum Rathausplatz - dort fand die Eröffnungsfeier statt - und nur 10 Gehminuten bis zum wunderbaren feinsandigen Strand. Der Samstag und Sonntag standen ganz im Zeichen von Sightseeing und Erholung. Fazit: Cadiz ist ganz sicher ein lohnenswertes Urlaubsziel.
Am 14. September 2009 fand dann die sehr stimmungsvolle und gelungene Eröffnungsfeier statt. Da ich weder am 15. noch am 16. September einen Wettkampf zu bestreiten hatte, nahm ich die Gelegenheit war und bin mit Bruno und Anna nach Sevilla gefahren. Für mich war Kultur -Besichtigung der Kathedrale und des Alcazars- angesagt, Bruno und Anna, die Sevilla bereits mehrfach besucht haben, stand Shopping auf dem Programm. Aber die Anspannung stieg trotz der sehr schönen Eindrücke, die ich sammeln konnte, stetig an.
Endlich! Am Donnerstag, den 17. wurde es für mich ernst. Vorher waren schon andere Poseidonen - es waren noch
Ulrike Döscher, Jenny Noack, Corinna Stöver und Henning Dethlefsen
angereist - aktiv und hatten bereits in das Geschehen im Becken eingegriffen. Henning konnte über 200 m Freistil eine sehr gute persönliche Zeit erreichen und Ulrike hatte die erste Medaille -Bronze über 100 m Delphin AK 35- erschwommen. Corinna und Jenny konnten ebenfalls hervorragende persönliche Leistungen über die 50 m Brust abrufen.
Dieser Donnerstag war für mich der erste Auftritt auf einer Europameisterschaft. Corinna und Jenny absolvierten ihre 100 m Brust mit Bravour, wobei Ulrike mit dem Gewinn von Bronze auf dieser Strecke, mir eine ganz schön hohe Hürde auflegte. Darüber hinaus wiederholte Ulrike dieses Kunststück auch in 100 m Delphin der Damen - wieder Bronze-!!! Eine Herausforderung. Über 50 m Rücken, meiner neuesten Paradedisziplin (?)- konnte ich zu meiner eigenen Überraschung ebenfalls die Bronzemedaille gewinnen - in einer Zeit von 0:33,58. Diese Zeit bedeutete darüber hinaus, dass ich meinen eigenen Deutschen AK-Rekord nochmals unterbieten konnte. Fing doch sehr gut an - oder?!
Am Freitag, den 18. September, war ein weiterer Auftritt geplant. Laut Meldeergebnis meine größte Chance auf das Siegertreppchen zu gelangen. Aber dieser Freitag sollte ein sehr schwarzer Freitag werden. Über 100 m Freistil wollte ich es mir selbst beweisen. Nach 50 Metern lag ich noch sehr gut im Rennen (0:29,2) - gut eine halbe Länge vor den Konkurrenten. Bei 70 Metern begannen die Arme schwer zu werden. Und bei 90 Metern wurden alle Muskeln hart und blockierten. Mit einer äußerst enttäuschenden Zeit von nur 1:03,85 konnte ich zwar noch Bronze retten - habe wohl aber Gold verloren. Dagegen schwammen Ulrike, Corinna und Jenny wieder sehr gute Zeiten, die jedoch leider nicht für Edelmetall reichten.
Die Nacht zum Samstag war sehr unruhig. Immer und immer wieder stellte ich mir die Frage: "wie konnte ich so einbrechen?" Eine Antwort fand ich nicht.
Ziemlich nervös und zerknirscht ging ich den letzten Wettkampftag, den 19. September 2009, ein Samstag. Auf dem Programm standen 50 m Freistil und 100 m Rücken. Gemäß Meldeergebnis lagen meine bisher geschwommenen Zeiten um die Plätze 4 - 6. Aber alle gemeldeten Zeiten müssen erst geschwommen werden, versuchte ich mich auf zu bauen.
Ulrike ging von uns als erstes in ihr Rennen und konnte in ihrer Altersklasse einen hervorragenden 5. Platz über 200 m Brust belegen. Für mich standen die 50 m Freistil an.
F r e i s t i l !!! - Na 50 m wirst du doch wohl noch durchhalten!?Oder? Aber 50 m sind auch relativ kurz. Um hier auch nur den Hauch einer Chance zu haben, müsste alles klappen - Start - erste Züge - Geschwindigkeit aufnehmen - und Anschlag. Und es hat funktioniert. In 0:28,42 schlug ich an. Ein ganz, ganz schneller Blick auf die Anzeigetafel und --- meine Bahn stand ganz oben - Gold!! Europameister. Ein ganz, ganz großer Traum ist in Erfüllung gegangen. Und wie wichtig alles vorhererwähnte war zeigt sich daran, dass der Viertplatzierte nur 28 hundertstel Sekunden langsamer war ( der Zweite 9, der Dritte 11 hundertstel).
Die Bronzemedaille über 100 m Rücken (1:16,90 -die Luft war 'raus) rundeten mein ganz persönliches Ergebnis perfekt ab.
1 x Gold , 3 x Bronze und ein neuer Deutscher AK-Rekord. Für einen ersten Auftritt bei Europameisterschaften - find ich gut.
Und ich weiß, dass Ulrike mit ihren zwei Bronzemedaillen und den weiteren Platzierungen/Zeiten ebenso zufrieden war.
Die Leistungen von Corinna und Jenny sowie Henning halten auch jeder Prüfung sehr gut stand; nur waren in deren Altersklassen einige SchwimmerInnen noch ein wenig schneller.
Ich meine, dass wir Fünf unseren Poseidon hervorragend vertreten und präsentiert haben.
DS